Gedichte für Ihre Hochzeitszeitung
Ihr seid nun eins
Ihr seid nun eins, ihr beide,
und wir sind mit euch eins.
Trinkt auf der Freude Dauer
ein Glas des guten Weins!
Und bleibt zu allen Zeiten
einander zugekehrt,
[Johann Wolfgang von Goethe]
Dass du mich liebst
Dass du mich liebst, das wusst ich,
Ich hatt es längst entdeckt;
Doch als du mir's gestanden,
Hat es mich tief erschreckt.
Ich stieg wohl auf die Berge
Und jubelte und sang;
Ich ging ans Meer und weinte
Beim Sonnenuntergang.
Mein Herz ist wie die Sonne
So flammend anzusehn,
Und in ein Meer von Liebe
Versinkt es groß und schön
[Heinrich Heine]
Sie hat nichts
Sie hat nichts und du dasgleichen;
Dennoch wollt ihr, wie ich sehe,
Zu dem Bund der heil'gen Ehe
Euch bereits die Haende reichen.
Kinder, seid ihr denn bei Sinnen?
Ueberlegt euch das Kapitel!
Ohne die gehoer'gen Mittel
Soll man keinen Krieg beginnen.
[Wilhelm Busch]
Die Sterne vom Himmel
Die Sterne vom Himmel können wir uns nicht holen,
aber wir werden uns auf Händen tragen,
damit wir sie immer gemeinsam berühren können,
das geloben wir an unserem schönen Tag
und ihr sollt unsere Gäste sein.
[Unbekannt]
O wie lieblich
O wie lieblich, o wie schicklich
sozusagen herzerquicklich,
ist es doch für eine Gegend,
wenn sich Leute , die vermögend,
außerdem mit sich zufrieden,
aber von Geschlecht verschieden,
wenn nun dieses, sag ich ihre
dazu nötigen Papiere,
sowie auch die Haushaltsachen,
endlich mal in Ordnung machen
und in Ehren und beizeiten,
hin zum Standesamte schreiten.
Wie es denen welche lieben,
vom Gesetze vorgeschrieben.
Dann ruft jeder freundllich:
"Gott sei Dank! Sie haben sich!"
[Wilhelm Busch]
Du hattest kein Glück
Du hattest kein Glück, und ich hatte keins;
Wir nahmen einander, nun haben wir eins.
Wo haben wir es denn hergenommen?
Es ist vom Himmel auf uns gekommen.
[Friedrich Rückert]
Liebe
Wieder will mein froher Mund begegnen
Deinen Lippen, die mich küssend segnen,
Deine lieben Finger will ich halten
Und in meine Finger spielend falten,
Meinen Blick an deinem dürstend füllen,
Tief mein Haupt in deine Haare hüllen,
Will mit immerwachen jungen Gliedern
Deiner Glieder Regung treu erwidern
Und aus immer neuen Liebesfeuern
Deine Schönheit tausendmal erneuern,
Bis wir ganz gestillt und dankbar beide
Selig wohnen über allem Leide,
Bis wir Tag und Nacht und Heut und Gestern
Wunschlos grüßen als geliebte Schwestern,
Bis wir über allem Tun und Handeln
Als Verklärte ganz im Frieden wandeln.
[Hermann Hesse]
Ja, du bist mein!
Ich will's dem blauen Himmel sagen,
Ich will's der dunklen Nacht vertrau'n,
Ich will's als frohe Botschaft tragen
Auf Bergeshöh'n, durch Heid und Au'n.
Die ganze Welt soll Zeuge sein:
Ja, du bist mein!
Und ewig mein!
In meinem Herzen sollst du leben,
Sollst haben, was sein Liebstes ist,
Du sollst, von Lieb und Lust umgeben,
Ganz fühlen, dass du glücklich bist!
Schließ' mich in deine Arme ein!
Ja, du bist mein!
Und ewig mein!
[Hoffmann von Fallersleben]
Es muss was Wunderbares sein
Es muss was Wunderbares sein
Ums Lieben zweier Seelen!
Sie schließen ganz einander ein,
Sich nie ein Wort verhehlen!
Und Freud und Leid und Glück und Not
So miteinander tragen!
[Oskar von Redewitz]
Was soll ich dir für Namen geben?
Was soll ich dir für Namen geben?
Mein trautes Herz! mein einz'ges Leben!
Mein Sonnenblick! mein Seelenstrahl!
Mein Hoffen, Sehnen und Verlangen!
Mein Wünschen, Glauben, Zweifeln, Bangen!
O meine süße Liebesqual!
Ich nenne dich mit allen Namen,
Die je von Liebeslippen kamen,
Ich grüße dich mit jedem Laut,
Den du mir je geküsst vom Munde,
Ich nenne dich im Herzensgrunde
Lieb, ewig teuer, Schwester, Braut!
[Friedrich Rückert]
Es war ein grundgescheiter Mann
Es war ein grundgescheiter Mann,
sehr weise und hocherfahren;
er trug ein graumeliertes Harr,
dieweil er schon ziemlich bei Jahren.
Es war ein abgesagter Feind
des Lachens und des Scherzens
und war doch der größte Narr am Hof
der Königin seines Herzens.
[Wilhelm Busch]
Das Rosenband
Im Frühlingsschatten fand ich sie;
Da band ich sie mit Rosenbändern;
Sie fühlt' es nicht, und schlummerte.
Ich sah sie an; mein Leben hing
Mit diesem Blick an ihrem Leben:
Ich fühlt' es wohl und wusst' es nicht.
Doch lispelt' ich ihr sprachlos zu,
Und rauschte mit den Rosenbändern:
Da wachte sie vom Schlummer auf.
Sie sah mich an; ihr Leben hing
Mit diesem Blick an meinem Leben,
Und um uns ward's Elysium.
[Friedrich Gottlieb Klopstock]
Was es ist
Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe
[Erich Fried]
Schwerelos und taumelnd vor Glück
Schwerelos und taumelnd vor Glück
dieser Tag kommt nie zurück,
doch die Kraft aus diesen Stunden
wird unser Leben abrunden.
[Unbekannt]
Die Himmelfahrt
Dank deinem Kusse ganz allein, nun flieg' ich in den Himmel,
Und hasche mit den Engeln mich im seligen Gewimmel.
Sie jagen mich, sie greifen mich, sie wollen gern mich fangen,
Ich reiß' mich los und laufe heim, zu küssen deine Wangen.
[Wilhelm Müller]
Ohne dich, Liebeste
Ohne dich, Liebste, was wären die Feste?
Ohne dich, Süße, was wäre der Tanz?
Wärst du mein Schatz nicht,
so möchte ich nicht tanzen,
bleibst du es immer, ist Leben ein Fest.
Ohne dich, Liebste, was wären die Feste?
Ohne dich, Süße, was wäre der Tanz?
[Johann Wolfgang von Goethe]